Der Fotograf ist nicht nur Naturliebhaber, sondern ausgewiesener Experte für die Vogelwelt auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Seit mehr als 45 Jahren beschäftigt sich der einstige Bauingenieur und Architekt mit der dokumentarischen Fotografie in der Ornithologie. Heute ist er hauptberuflicher Naturfotograf mit eigenen Exkursionen, Vogelwart auf der Vogelschutzinsel Kirr und Landeskoordinator für den Seeadler in der Projektgruppe Großvogelschutz am Landesamt für Umwelt und Natur Mecklenburg-Vorpommern. Doch auch nach all den Jahren fasziniert ihn die Natur jeden Tag aufs Neue. Vor allem die großen Vögel – Kraniche und Seeadler – sind seine Favoriten.
Mit der Morgendämmerung kommt Leben in die Vogelschar. Pünktlich mit der aufgehenden Sonne brechen die Kraniche lautstark auf, um Futter zu finden und Energie für die bevorstehende Reise zu sammeln. Immer wieder übertönen lautes Gurren und Trompeten das Rauschen des Windes. Marios Augen leuchten voller Vorfreude: »Da draußen sind bestimmt 10.000 Vögel«, sagt er und bringt sein Stativ in Stellung. Noch ist die Sonne nicht zu sehen, doch langsam dämmert es. Nebelschwaden wabern über das Strandgras und die grau-blaue Nacht weicht einem seichten, blass-gelben Licht. Je heller es wird, desto lebendiger werden Vögel. Die Anspannung vor dem Aufbruch ist spürbar. »Das ist der beste Zeitpunkt für tolle Naturaufnahmen«, flüstert Mario den Teilnehmern seines Fotoworkshops zu. »Die Vögel brechen gleich auf und dazu hat man das Licht des Sonnenaufgangs. Wenn wir richtig Glück haben, läuft vielleicht sogar ein Hirsch durch die Lagune, während oben die Kraniche fliegen.« Und tatsächlich: In den silbrigen Nebelschwaden, zeichnen sich die dunklen Silhouetten von mehreren Hirschen ab. Mit jeder Minute, die es heller wird, sind sie besser zu sehen. Es sind majestätische Tiere.
Dabei zu sein, wenn die Natur erwacht, ist ein bewegender Moment. Wie auf einen Weckruf hin steigen mit den ersten kräftigen Sonnenstrahlen die ersten Kraniche auf. Binnen Minuten sind es Tausende, die in der Morgenröte hoch zum Himmel fliegen und mit ihren riesigen Flügeln schlagen. Es ist der Moment, auf den Mario gewartet hat. Zielbewusst drückt er den Auslöser und hält die Stimmung und den Aufstieg der Vögel fest. Die Kamera verewigt die magische Szene. Und dann erfüllt sich Marios Wunsch: Gleich zwei Hirsche laufen durch das Wasser der Lagune an den ruhenden Kranichen vorbei, während im Hintergrund die Ostsee brandet. Mario grinst über das ganze Gesicht. Szenen wie diese bekommt man nur auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst zu sehen.
Am Pramort werden Fotografenträume wahr. Zur richtigen Zeit kommen hier außergewöhnliche Naturszenen und das perfekte Licht zusammen. Ein gutes Foto ist jedoch nur die Krönung, denn Tierfotografen sind in erster Linie Naturliebhaber. Profis wie Mario wissen: Ein gutes Naturfoto muss man sich verdienen – mit Geduld. Das Abenteuer und das Erlebnis einer besonderen Wildtierbegegnung machen für die meisten Tierfotografen den eigentlichen Reiz aus. »Man nimmt als Fotograf alles auf: den Wind, die Geräusche, die Gerüche – das ganze Drumherum. Viele haben außer Kamera auch ein Fernglas dabei und genießen einfach«, sagt Mario.